Kurz vor der Guten Nacht noch den neuen Text von Michael Kerres und Annabell Preußler gelesen. “Soziale Netzwerkbildung unterstützen mit Microblogs (Twitter)” schafft eine kompakte Übersicht in die Möglichkeiten von Microblogging in Lernkontexten und geht zudem ausführlich der Frage nach dem “Warum?” nach.

Soziale Reputation oder Reputationsgewinn wird demnach einerseits als ein zentrales Element des Microblogging benannt, fordert aber zugleich auch die Frage nach Bedeutung und Auswirkung des Reputationsgewinns für Lerner oder Lernergruppen heraus. Alle Welt twittert und verkündet neben Belanglosigkeiten über das bevorstehende Mittagsmahl ganz nebenbei die neuesten Berichte der moodlemoot in Bamberg. Kurz: als neues hippes Tool, findet “Twitter” inzwischen nahezu auf jeder Konferenz bzw. finden Tweets und followers täglich mehr und mehr im Arbeitsalltag statt.  Die Autoren sind sich natürlich des Hypes um “Twitter” bewusst, verweisen in diesem Zusammenhang jedoch erneut auf die Notwendigkeit sinnvoller mediendidaktischer Einbettung. Als ein Element der (neuen) Kommunikationsumgebung müssen die Nutzer/innen lernen, diese Umgebung zu verstehen bzw. diese stets zu hinterfragen. Das überrascht nicht, gewinnt aber vor dem Hintergrund zahlloser neuer Tools und Möglichkeiten im Netz eine zentrale Bedeutung. Lehrende und Lernende müssen sich darüber verständigen, welche Tools sie nutzen und welche Form der Kommunikation sie wählen. Microblogging erweitert in diesem Kontext das Spektrum möglicher Varianten der Kommunikationen von Lernenden. Ob schliesslich die Begrenzung auf 140 Zeichen per Tweet eine sinnvolle Kommunikation ermöglicht, sei dahingestellt.
Aber: In der Kürze liegt bekanntlich…

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Eines der wichtigsten hier genannten Wörter ist meiner Meinung nach die “Reputation”. Der Micro-Blogger ist hin und her gerissen zwischen “Spassfaktor” – d.h. dem Mikrobloggen von Persönlichstem und für viele Belanglosem – und Seriösität. Vielleicht muss man tatsächlich zwei oder mehrere Twitter-Accounts haben oder eben den Spassfaktor selbst zensieren, um keine Reputation bei den “seriösen” Followers zu verlieren.
    Kann man dieses Twitter-Phänomen nicht schön in die Anerkennungs-Theorie von Axel Honneth einbinden? Kennt da jemand eine Quelle?

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  • hallo norbert, vielen dank für deinen hinweis auf honneth!
    in der tat ist dies auch ein interessantes soziologisches feld. ich beobachte das phänomen anerkennungs- bzw. reputationsgewinn seit längerem in diversen internet-foren. nicht erst mit einführung des “Bedanken”-Buttons, werden dort informationen nur noch nach respekt zollenden äusserungen in umfangreichen, bis ins detail vorgegebenen (“schicke eine PN mit deinem Nick und dem Betreff XY an, dann bedanke dich im Forum, dann…”) dankes-mails bzw. nach mehr oder weniger “unterwürfigen” bittstellungen preisgegeben.
    ruhm und ehre demjenigen, der die meisten dieser “vielen dank-du-bist-toll-mails” auf sich vereinen kann. vom vielbeschworenen altruismus im netz findet sich in diesem mikrokosmos der internetforen kaum noch etwas.

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  • Da freue ich mich dann doch über solche Vorreiter wie WNeuhaus in seinem http://www.mediendidaktik.org/ blog, der seine Forschung selbst teilt. Vielleicht braucht es für diesen “Altruismus” der freiwilligen Publizierung von “tatsächlichen Gedanken” einer kleinen Gruppe von Followers, der man eher vertraut.
    In dieser “priviligierten Gruppe” [nach Mancur Olson] ist ein “Abschreiben” dann nicht mehr möglich, weil jeder jeden (blogeintrag) kennt. Nicht-Mitglieder der Gruppe könnten zwar abschreiben, aber das Thema ist eben genau durch die priviligierte Gruppe (=Community = Followers) besetzt.
    Ist die Gruppenmitglidschaft erst mal fundiert, dann darf man bestimmt auch mal einen persönlichen Spaß-Twittereintrag versenden (“Die Biohaxe war lecker”) – ohne Anerkennungsverlust.

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  • wow: mit Abstand die schnellste Rezension, die ich je zu einer Publikation erhalten habe. Und: Danke für die weiterführenden Überlegungen. Wir wollen das Thema weiter “beforschen” …und bleiben am Ball!

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